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In den siebziger Jahren kam die strategische Hypnotherapie, die Milton Erickson aus der klassischen Hypnose entwickelt hatte, in Verbindung mit der Systemtheorie und der wissenschaftlichen Selbstorganisationstheorie. Vor diesem Hintergrund entstand schrittweise die selbstorganisatorische Hypnose.

Selbstorganisatorische Hypnose orientiert sich maximal am bewussten und unbewussten Lösungs- und Gestaltungspotenzial des Menschen und geht von der Annahme aus, dass Menschen in den meisten Fällen über einen ausreichenden Fundus an Erfahrungen verfügen, um ihre Probleme zu lösen, aber häufig an den Fixierungen des Alltagsdenkens scheitern.

Im Unterschied zur klassischen und teilweise auch strategischen Hypnose (= Erickson´schen Hypnose), bei denen der Therapeut zu glauben weiß, was für den Patienten gut ist, entwickeln selbstorganisatorisch orientierte Therapeuten so viel wie möglich aus und mit dem Patienten selbst, denn Selbstorganisation ist nichts, was man verordnen oder verschreiben könnte. Es ist das Prinzip des Lebens und der Evolution selbst - sowohl auf der physikalischen, als auch auf der biologischen und sozialen Ebene.

In der Hypnose wird das Prinzip der Selbstorganisation genutzt und die therapeutische Situationen so strukturiert, dass selbstorganisatorische Prozesse zu ihrem Recht kommen. Der Therapeut gibt Anstöße zur Neuordnung, die im Wesentlichen aus den Ressourcen des Patienten ermöglicht wird. Dabei werden optimale Lösungen in der Psychotherapie und der Psychosomatik – aber auch im allgemeinen Leben – nur erreicht, wenn folgende Bedingungen erfüllt sind:

> Bewusstsein und Unbewusstes sind gemeinsam auf das gleiche Ziel ausgerichtet.


> Im Unbewussten gibt es keine wesentlichen Widerstände gegen dieses Ziel.


> Das angestrebte Ziel und die erwünschten Lösungen stehen im Einklang mit der Vorstellungswelt der Person und dem familiären oder sozialen Bezugsfeld.

Hypnotherapie hat in den letzten Jahren große Verbreitung gefunden und es wurden vielfältige Anwendungsmöglichkeiten entwickelt. Hinter der Gestaltung des therapeutischen Kontaktes verbirgt sich ein bestimmtes Menschenbild, nämlich die Auffassung, dass ein Individuum die Ressourcen zur Veränderung in sich trägt und zumeist weder instruiert werden noch neu lernen muss, um körperliche und seelische Probleme zu lösen. Dies ist für einen Menschen in einer verzweifelten Lage kaum vorstellbar, deshalb wird das Unbewusste als Hilfsgröße eingeführt. Der bewusste Verstand versperrt aber häufig den Weg zur Heilung, auch wenn er mit dem Ziel einverstanden ist. Deshalb lernt der Patient mit dem Unbewussten zu kommunizieren. Das Unbewusste selbst oder Teile von ihm werden hilfreich für die Therapie aktiviert, um Zugang zu den eigenen Ressourcen zu bekommen. Die therapeutische Kunst besteht darin, dem Patienten diesen Zugang zu öffnen und ihn dann seine eigene Lösung finden zu lassen. Der Therapeut selbst leitet den Heilungsprozess und achtet darauf, dass die Therapie konstruktiv verläuft - der Patient heilt sich selbstorganisatorisch mittels des Wissens, Könnens und der Kreativität seines eigenen Unbewussten.

Die Hypnotherapie ist ein Verfahren, bei dem das Individuum vorübergehend in einen veränderten Bewusstseinszustand (= hypnotische Trance) versetzt wird, in dem es ihm besser als im Alltagsbewusstsein gelingt, seine Ressourcen zu mobilisieren. Die gewohnheitsmäßigen Wertungen und Einschränkungen des Denkens werden durch bildhafte Verarbeitung von Informationen unterlaufen, selbstgesetzte Barrieren und gelernte Begrenzungen werden überwunden. Das Unbewusste kann frei von Alltagszwängen arbeiten und dann in seinem individuellen Tempo die unbewussten oder halbbewussten Lösungen in das Bewusstsein integrieren und eine langfristige Verbesserung der Symptomatik und Heilung erzielen.

Mittels einer Hypnoseinduktion wird der Tranceraum eröffnet und strukturiert. Dieser Prozess erfolgt über die Fokussierung der Aufmerksamkeit der Person nach innen und dem Halten der Aufmerksamkeit.

Die Kontaktaufnahme mit dem Unbewussten der Person fördert die Selbstindividuation und führt zur (Selbst-)Heilung. Widerstände während der Hypnosearbeit sind nicht pathologisch, sondern normale und gesunde Reaktionen. Sie haben eine Funktion, die herausgearbeitet und auf ihren Sinngehalt analysiert wird.

Durch offenen, vertrauensvollen und liebevollen Kontakt mit sich ist es möglich, das Bewusstsein des eigenen Wesens und der eigenen Möglichkeiten zur individuellen und sinnhaften Lebensgestaltung zu entwickeln.